Start geglückt: Schenkprojekte stossen auf Interesse
Die Idee, in Urtenen-Schönbühl verschiedene Schenkprojekte aufzubauen, ist auf reges Interesse gestossen. Knapp 20 Personen kamen am 21. August ins Postsäli, um mehr über die «U-Schönen Schenkprojekte» zu erfahren und eigene Ideen einzubringen.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit alteingesessenen Urtener:innen und frisch Zugezogenen stellte Initiant Raffael Wüthrich die Grundidee vor: In einer Zeit, in der vieles teurer wird und oft Geld und wirtschaftliche Interessen im Zentrum stehen, soll ganz bewusst etwas anderes ausprobiert werden. Die Schenklogik setzt nicht auf Kaufen und Verkaufen, sondern auf Teilen, Schenken und gemeinsames Nutzen.

Schenkgarten beim Bergacker
Ein erstes Vorhaben nimmt bereits konkrete Formen an: Auf einer Parzelle im Usserfeld von Bauer Christian Huber entsteht ab 2027 gemeinsam mit Freiwilligen ein grosser Schenkgarten. Angebaut werden Gemüse, Beeren, besonderes Obst, Kräuter und Blumen. Die Ernte kommt den Menschen zugute, die sich im Garten engagieren, sowie deren Umfeld. Hoffentlich entsteht dabei viel Überfluss, denn dieser soll grosszügig verschenkt werden.
Angebaut wird biologisch und nach den Prinzipien des Market Gardening – vielfältig, flächeneffizient und mit besonderem Augenmerk auf gesunde Böden und eine sorgfältige Bewirtschaftung. Elemente der Permakultur fördern geschlossene Kreisläufe, eine hohe Artenvielfalt und einen möglichst nachhaltigen Umgang mit Wasser und Ressourcen. Gleichzeitig lädt der kinder- und familienfreundliche Garten auch die Jüngsten dazu ein, zu entdecken, mitzuhelfen und die Natur sowie das Wachstum der Pflanzen zu erleben.

Viele weitere Ideen
Am Treffen wurden bereits zahlreiche weitere Möglichkeiten diskutiert. Mit dem bereits vorhandenen Lebensmittelextruder könnten leckere Maissnacks hergestellt werden. Lebensmittel könnten gerettet und weiterverarbeitet, Tofu produziert oder Kleider und Möbel gesammelt, gelagert und kostenlos weitergegeben werden.
Beim Austausch wurde deutlich: In den kommenden Monaten werden sich noch viele Fragen ergeben – und viele Antworten wollen gemeinsam gefunden und ausprobiert werden.
Viel Erfahrung und Tatendrang
Dass solche freiwillig getragenen Projekte funktionieren können, weiss Raffael Wüthrich aus bereits bestehenden Initiativen. Er ist unter anderem Mitgründer des Repair Cafés und der LeihBar Bern und hat das “U-Huus” an der Unterdorfstrasse mitinitiiert. Und auch mit freiem Schenken gibt es in Urtenen-Schönbühl bereits Erfahrung: So wurde neben der “Naschhecke” an der Mühlestrasse auch der von der SP initiierte, öffentliche Kühlschrank von Madame Frigo, gleich hinter dem Postsäli, lobend erwähnt. Beim Treffen zeigte sich zudem, dass unter den Anwesenden bereits viel Wissen, vielfältige praktische Erfahrung und Lust vorhanden ist, den Schenkgarten und weitere Projekte zu lancieren.
Sind Menschen zum Schenken bereit?
Neben Begeisterung gab es auch kritische Fragen. Wollen Menschen überhaupt einfach beschenkt werden? Entsteht dabei nicht ein unangenehmes Gefühl, etwas «schuldig» zu sein? Und führt ein Geschenk automatisch zum Wunsch, etwas zurückzugeben?
Gerade diese Fragen sorgten beim anschliessenden Apéro für interessante Gespräche. Vielleicht, so eine Überlegung, könnte genau daraus eine schöne Dynamik entstehen: Wer etwas geschenkt bekommt, gibt es nicht unbedingt an dieselbe Person zurück, sondern schenkt seinerseits etwas an jemand anderen weiter. So könnte sich die oft vergessene Kultur des Schenkens und Beschenktwerdens wieder Schritt für Schritt im Dorf ausbreiten.
Weitere Treffen geplant
Das Interesse war jedenfalls gross: Fast alle Teilnehmenden haben sich für einen WhatsApp-Infokanal und einen Diskussionskanal angemeldet. Beide stehen allen Interessierten offen.
In den kommenden Wochen sind weitere Treffen und Workshops geplant, an denen der Schenkgarten und weitere «U-Schöne Schenkprojekte» konkretisiert werden sollen.
Wer Lust hat, eigene Ideen einzubringen, mitzuhelfen oder einfach einmal hineinzuschauen, ist herzlich willkommen. Für Rückfragen steht Raffael Wüthrich auch via hallo@raffael.be zur Verfügung.
Zum WhatsApp-Infokanal.
Dieser Artikel erschien im Am Moosseee - der lokalen Zeitung in Urtenen-Schönbühl und Moosseedorf.

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