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Auf ins Schenkabenteuer! Der Start

Raffael Wüthrich
1. Okt.
7 Min. Lesezeit

Ich will versuchen, die Schenkwirtschaft 2.0 in der Schweiz zu verbreiten. Eine Wirtschaft, in der wir freiwillig tätig sind, grosszügig teilen und uns gegenseitig kostenlos versorgen. Klingt utopisch? Vielleicht. Aber ich finde, es ist höchste Zeit, es ernsthaft auszuprobieren.


In den letzten Monaten ist in mir ein Gedanke immer stärker gereift: Jetzt ist die Zeit gekommen. Ich will endlich das tun, was mich seit über 15 Jahren nicht mehr loslässt.

Ich will herausfinden, wie eine Welt aussehen könnte, in der Geld nicht mehr darüber entscheidet, wer was bekommt. Eine Welt, in der wir unsere Fähigkeiten und unsere Zeit dafür einsetzen, das Leben für alle schöner zu machen. Und ich will nicht nur darüber nachdenken, sondern mit konkreten Projekten zeigen, was schon heute möglich ist.

Schön bist du da! Ich freue mich, dich auf dieser abenteuerlichen Reise mitzunehmen.


Raffael Wüthrich auf einem Baum
"Auf die Bäume, ihr Affen", wie es Hans. A Pestalozzi postulierte? Oder doch eher "Schenkt mehr, ihr Affen"?

Raus aus dem Hamsterrad?

Wenn ich am frühen Morgen mit dem Zügli nach Bern fahre, fällt es mir immer wieder auf: müde Gesichter, Kopfhörer in den Ohren, der Blick starr aufs Smartphone gerichtet. Viele wirken, als wäre der Tag schon anstrengend, bevor er überhaupt richtig angefangen hat.

Natürlich weiss ich nicht, was diese Menschen gerade beschäftigt. Aber manchmal frage ich mich: Wie viele von uns stehen morgens wirklich voller Vorfreude auf, weil sie es kaum erwarten können, etwas Sinnvolles zu tun? Und wie viele stehen auf, weil Rechnungen bezahlt werden müssen?

Mich lässt dieser Gedanke seit Jahren nicht los. Wir haben Maschinen, Computer, künstliche Intelligenz und eine unglaubliche Fülle an Produkten und Wissen. Wir können Dinge herstellen, von denen frühere Generationen nicht einmal zu träumen wagten. Und trotzdem verbringen wir einen grossen Teil unseres Lebens mit Arbeit, die wir vor allem deshalb machen, weil wir Geld zum Leben brauchen.

Dazu kommt, dass längst nicht jede Arbeit unser Leben besser macht. Beträchtliche kollektive Arbeitszeit fliesst in Spekulation, Werbung, fragwürdige Geschäfte, Kontrolle und Bürokratie. Produkte werden ersetzt, obwohl sie noch brauchbar wären, oder gehen viel zu früh kaputt. Unternehmen stehen unter Druck, Gewinne zu erwirtschaften, selbst wenn das auf Kosten unserer Mitwelt geht.

Natürlich hat die Marktwirtschaft auch viel Gutes hervorgebracht. Sie hat Innovationen ermöglicht und vielen Menschen Wohlstand gebracht. Aber sie hat eben auch Schattenseiten – und ich glaube, dass immer mehr Menschen spüren, dass wir mit unserer Art zu Wirtschaften an Grenzen stossen.


Eine Frage, die mich seit 15 Jahren begleitet

Dass mich diese Fragen so stark beschäftigen, hat auch mit einer persönlichen Krise vor 15 Jahren zu tun. Damals kündigte ich ins Blaue und begann ich, mich intensiver damit auseinanderzusetzen, warum unsere Welt eigentlich so funktioniert, wie sie funktioniert.

Warum haben wir so viel Technologie und müssen trotzdem so viel arbeiten? Warum zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen? Warum ist es wichtiger, Geld zu verdienen, als seiner Begeisterung zu folgen?

Ich wollte verstehen, welche Mechanismen dahinterstecken – und ob es Alternativen gibt. Ich las, diskutierte hitzig, dachte nach und entwickelte eine immer konkretere Vorstellung davon, wie eine andere Wirtschaft aussehen könnte.

Dabei wurde mir klar: Wir müssen nicht bei null anfangen. Schon heute schenken Menschen ihre Zeit, teilen Wissen, retten Lebensmittel, kümmern sich, reparieren Dinge und helfen einander. Vieles funktioniert bereits jenseits von Geld und Markt.

Was wäre, wenn wir solche Ansätze nicht bloss als nette (und überlebenswichtige) Ergänzungen zu unserem Wirtschaftssystem betrachten würden? Was wäre, wenn wir sie systematisch ausbauen und miteinander verbinden?

Diese Frage begleitet mich nun schon über 15 Jahre. Und in den letzten Monaten ist aus dem Wunsch, etwas zu verändern, ein klarer Entschluss geworden: Ich möchte meine Energie vollständig darauf konzentrieren, diese Alternative in die Welt zu bringen.

Denn während alte Gewissheiten ins Wanken geraten, sich die Krisen auf unserem Planeten zuspitzen und Bestehendes sich nicht mehr sinnvoll reparieren lässt, dann sollten wir Neues ausprobieren.


Willkommen in der Schenkwirtschaft 2.0!

Meine Vision ist eine moderne Schenkwirtschaft. Eine Wirtschaft, in der wir freiwillig arbeiten, Produkte grosszügig verschenken und unsere Bedürfnisse möglichst direkt miteinander in Einklang bringen – ohne dass für alles Geld verdient, bezahlt und verrechnet werden muss.

Stell dir vor, du könntest dir aus einem Netzwerk nehmen, was du brauchst, und selbst das beitragen, was du gerne und gut geben kannst. Vielleicht baust du Gemüse an, programmierst Software, reparierst Velos oder kümmerst dich um Menschen. Deine Fähigkeiten wären wertvoll, ohne dass sie erst einen Marktpreis bekommen und eine Käufer:in finden müssten.

Es ginge nicht darum, dass jeder jedem persönlich etwas zurückgeben muss. Vielmehr tragen alle nach ihren Möglichkeiten zu einem gemeinsamen Ganzen bei. Was jemand geben kann, fliesst in dieses Schenknetz. Was jemand braucht, darf daraus genommen werden.


Und nein, ich glaube nicht, dass dafür plötzlich alle Menschen selbstlos werden müssen. Im Gegenteil: Eine Schenkwirtschaft nutzt durchaus auch unseren Eigennutz.

Denn stell dir vor, alles, was wir zum Leben brauchen, wäre für alle frei zugänglich. Wir müssten nicht mehr um unseren Lebensunterhalt konkurrieren, keine Miete bezahlen und nicht für jede Kleinigkeit Geld verdienen. Wir könnten gemeinsam dafür sorgen, dass alle gut versorgt sind – und hätten dadurch viel mehr Zeit für uns selbst.

Das ist ein ziemlich starker Anreiz! Wer möchte nicht weniger arbeiten müssen und trotzdem gut leben können? Wer möchte nicht mehr Zeit für Familie, Freundschaften, eigene Interessen und die schönen Dinge des Lebens haben?

In einer voll ausgebauten Schenkwirtschaft gehört der gesellschaftliche Wohlstand allen. Die Vorteile einer effizienteren Produktion und Zusammenarbeit kommen alle zugute. Wenn wir unnötige Arbeit vermeiden, langlebige Produkte herstellen und unsere Fähigkeiten sinnvoll einsetzen, können wir denselben Wohlstand mit deutlich weniger Arbeitszeit ermöglichen.

Wir müssen also nicht darauf hoffen, dass alle Menschen selbstlos werden. Wir können eine Wirtschaftsordnung schaffen, in der es sich für alle lohnt, zum gemeinsamen Wohlstand beizutragen.


Wir sollten die Strukturen so verändern, dass sie Grosszügigkeit erleichtern und Zusammenarbeit fördern, statt uns ständig in Konkurrenz zueinander zu bringen.

Auch moderne Technologie kann dabei helfen. Wir verfügen heute über das Internet, leistungsfähige Computersysteme und künstliche Intelligenz. Damit könnten wir Bedürfnisse, vorhandene Ressourcen und die Produktion direkt miteinander verbinden. Wir könnten gemeinsam organisieren, was gebraucht wird, wo etwas vorhanden ist und wer etwas beitragen möchte - ohne Umweg über Markt und Geld.

Das wirft viele Fragen auf. Wie koordinieren wir die Versorgung? Wie gehen wir mit knappen Ressourcen um? Wie treffen wir faire Entscheidungen? Und wie stellen wir sicher, dass alle gut versorgt sind?

Ich habe nicht auf alles eine fertige Antwort. Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, diese Fragen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern praktische Erfahrungen zu sammeln.

Ich will zeigen, dass Schenken mehr sein kann als eine schöne Geste: nämlich eine Grundlage dafür, wie wir unsere Wirtschaft gerecht und ökologisch organisieren können.


Klein anfangen und gemeinsam wachsen

Wie kommen wir einer solchen Zukunft näher? Sicher nicht, indem ich allein am Schreibtisch sitze und einen grossen Masterplan entwerfe. Wir müssen anfangen, Dinge auszuprobieren, Erfahrungen sammeln und Menschen miteinander verbinden.

Genau das möchte ich mit meinen Schenkprojekten tun.

Mit dem U-Schönen Schenkgarten möchte ich beispielsweise Lebensmittel anbauen und kostenlos weitergeben. Mit Projekten rund ums Lebensmittelretten, Schenk-Tofu und FreeFlips möchte ich weitere Möglichkeiten ausprobieren, Produkte und Ressourcen grosszügig zu teilen.

Dabei geht es mir nicht nur um das einzelne Projekt. Ich möchte herausfinden, wie wir solche Initiativen so aufbauen können, dass sie langfristig funktionieren, andere Menschen inspirieren und auch an weiteren Orten entstehen können.


Mein Weg hat deshalb drei Seiten:

  • Ausprobieren: Ich starte und begleite konkrete Schenkprojekte und lerne aus dem, was dabei gelingt und scheitert.

  • Vernetzen: Ich bringe Menschen, Ideen und Ressourcen zusammen. Je dichter unser Schenknetz wird, desto mehr können wir miteinander möglich machen.

  • Verbreiten: Was funktioniert, möchte ich dokumentieren, weiterentwickeln und anderen dabei helfen, ähnliche Projekte auf die Beine zu stellen.


So können aus kleinen Experimenten nach und nach grössere Strukturen entstehen. Aus einzelnen Menschen, die etwas verschenken, wird ein Netzwerk. Aus einem Netzwerk werden Projekte, die mehr Bedürfnisse abdecken. Und aus vielen solchen Projekten könnte irgendwann eine Wirtschaftsform wachsen, die heute noch kaum jemand für möglich hält.

Das ist eine grosse Vision. Aber jede Veränderung beginnt irgendwo. Warum nicht hier, mit dem, was wir bereits haben?


Ich nehme dich mit auf die Reise

Mit raffael.be und diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen, Gedanken und Erkenntnisse teilen. Ich werde von meinen Projekten berichten, Videos veröffentlichen, auf Social Media diskutieren und erzählen, was hinter den Kulissen passiert.

Du wirst sehen, was funktioniert, wo ich an Grenzen stosse und welche neuen Ideen daraus entstehen. Ich möchte nicht so tun, als wäre der Weg bereits klar. Viel spannender finde ich es, gemeinsam herauszufinden, welche Möglichkeiten sich eröffnen.


Vielleicht entdeckst du dabei eine Idee, die du selbst umsetzen möchtest. Vielleicht hast du Fähigkeiten oder Ressourcen, die du gerne einbringen würdest. Vielleicht kennst du Menschen, mit denen sich etwas aufbauen liesse.

Ich wünsche mir, dass diese Webseite nicht einfach ein Ort ist, an dem ich meine Gedanken veröffentliche. Sie soll auch ein Treffpunkt für Menschen werden, die Lust haben, neue Wege auszuprobieren.

Denn ich glaube: Wir haben mehr Möglichkeiten, als wir oft denken. Wir müssen nicht warten, bis sich die ganze Gesellschaft verändert. Wir können heute damit beginnen, anders miteinander umzugehen und Dinge anders zu organisieren.


Das paradoxe Problem mit dem Geld

Es gibt allerdings einen Haken. Und der betrifft mich ganz persönlich.

Ich möchte daran arbeiten, eine Wirtschaft aufzubauen, in der Geld immer weniger wichtig wird. Gleichzeitig brauche ich selbst Geld, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Wenn ich meine Zeit professionell in die Schenkprojekte investiere, bleibt keine Zeit für Lohnarbeit. Und wenn ich keine Lohnarbeit leiste, wird es trotz meiner GemÖk (dazu ein ander Mal mehr) schwieriger, meine Rechnungen zu bezahlen. So einfach ist das.

Natürlich könnte ich die Schenkprojekte nebenbei aufbauen und versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Aber so werde ich nie das volle Potenzial und meine volle Energie ausschöpfen können. Ich möchte herausfinden, was möglich wird, wenn ich meine volle Arbeitszeit für den Aufbau der Schenkwirtschaft einsetzen kann.


Dafür brauche ich Menschen, die meine Arbeit finanziell mittragen.

Wenn du mich regelmässig mit einem Beitrag deiner Wahl unterstützt, hilfst du mir, Zeit für Projekte freizuspielen, die direkt und kostenlos anderen Menschen zugutekommen. Du ermöglichst mir, die Schenkwirtschaft auszuprobieren und zu verbreiten, andere Menschen zu vernetzen und erfolgreiche Ansätze weiterzuentwickeln.

Für mich ist das eine spannende Übergangsphase: Wir nutzen die Möglichkeiten, die uns das heutige System bietet, um Alternativen aufzubauen, die uns langfristig unabhängiger davon machen könnten – und die Erfahrungen anschliessend mit möglichst vielen Menschen teilen.

Wenn du meine Arbeit unterstützt, investierst du in ein Experiment: Wie viel können wir gemeinsam auf die Beine stellen, wenn wir nicht alles durch Geld regeln?


Hier erfährst du mehr: Mitwirken


Auf ins Schenkabenteuer!

Ich weiss nicht genau, wohin mich diese Reise führen wird. Ich weiss auch nicht, wie schnell sich die Schenkwirtschaft verbreiten lässt oder welche Hürden uns noch begegnen werden.

Aber ich weiss, dass ich es versuchen möchte. Die Idee begleitet mich seit über 15 Jahren. Jetzt will ich ihr mehr Raum geben und sie gemeinsam mit anderen Menschen in die Praxis bringen.

Vielleicht möchtest du selbst bei einem Projekt mitmachen. Vielleicht hast du eine Idee, die wir gemeinsam verwirklichen könnten. Oder du möchtest mich finanziell unterstützen, damit ich mehr Zeit für diesen Weg freispielen kann.


Ich freue mich über alle, die mitdenken, mitmachen, ihre Fähigkeiten einbringen oder meine Arbeit finanziell ermöglichen.

Lass uns gemeinsam herausfinden, wie eine Wirtschaft aussehen könnte, in der wir weniger Zeit damit verbringen müssen, Geld zu verdienen, und mehr Zeit dafür haben, das Leben für alle schöner zu machen.


Schön bist du da. Auf ins Schenkabenteuer!

Raffael

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